Das Image der Zeitarbeit hängt vom Informationsstand ab

Bei einer größeren Umfrage unter 1.000 Personen vom letzten September* hat sich herausgestellt, dass die Zeitarbeit höchst unterschiedlich bewertet wird. Während sie unter den Zeitarbeitnehmern am besten beurteilt wird, fällt dieses Urteil unter den Beschäftigten in klassischen Beschäftigungsverhältnissen um einiges negativer aus. Knapp die Hälfte der Menschen, die momentan in der Zeitarbeit beschäftigt sind, sieht diese Beschäftigungsform positiv. Gleichzeitig sind über 80% zufrieden mit ihrer derzeitigen Tätigkeit.

Von den Menschen, die früher in der Zeitarbeit beschäftigt waren, sind es immerhin noch 35,6%, die ein positives Urteil abgeben. Bei den klassisch Beschäftigten fällt die Bewertung sehr viel schlechter aus. Hier können nur 16,8% der Zeitarbeit etwas positives abgewinnen. Diese Zahlen hängen jedoch stark vom Informationsstand der Arbeitnehmer ab. Teilt man die Gruppe der Befragten in diejenigen, die sich bereits gut über die Zeitarbeit informiert haben und diejenigen, die bisher keine Berührungspunkte hatten, ändert sich das Bild. Die gut informierten Befragten sprechen sich zu 31,5% für die Zeitarbeit aus. Bei denjenigen ohne nähere Kenntnisse sinkt der Wert auf 10,1%.

Eines der wichtigsten Merkmale der Zeitarbeit wird immerhin bei allen Befragten in der großen Mehrheit positiv gesehen. Die Frage, ob die Zeitarbeit ein probates Mittel sei, um aus der Arbeitslosigkeit zu entkommen, wurde von rund drei Vierteln der Befragten bejaht. Anders ist es wiederum mit einem weiteren wichtigen Aspekt. Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Zeitarbeit, um sich übergreifende berufliche Kenntnisse anzueignen. Doch dazu muss man sich näher mit der Materie beschäftigt haben. Knapp 70% der Zeitarbeitnehmer sieht diese Möglichkeit als gegeben an. Dagegen sind es bei den klassisch beschäftigten Arbeitnehmern nur knapp über 40%.

Gerade hierin liegt eine große Chance nicht nur für die Zeitarbeitnehmer, sondern auch für die Informationspolitik der Personaldienstleister. Denn bei der Umfrage zeigte sich ebenfalls, dass der Kenntnisstand unter den Arbeitssuchenden bescheiden ist. Etwa die Hälfte von ihnen hat sich noch nie gezielt über die Zeitarbeit und ihre Möglichkeiten informiert. Gerade in Zeiten des Wiederaufbaus nach der Pandemie-Krise könnten dementsprechende Informationskampagnen beiden Seiten gute Dienste leisten. Der bayerische Ministerpräsident Söder und der Präsident des Verbandes der bayerischen Wirtschaft sind sich jedenfalls einig darin, dass die Zeitarbeit für den Wiederaufbau eine wichtige Rolle spielen wird.

*Umfrage Marktforschungsinstitut Kantar mit PagePersonnel Personalberatung 09/19

BAP verbreitet gedämpften Optimismus

In seiner ersten Ausgabe des Branchenmagazins von 2020 beschäftigen sich die Redakteure des Bundesverbands der Arbeitgeber der Zeitarbeit als Schwerpunkt mit der Corona-Krise. Das ist kaum verwunderlich, denn die Folgen werden alle Personaldienstleister und deren Mitarbeiter noch lange beschäftigen. Tatsächlich muss der Arbeitgebertag der Zeitarbeit für 2020 abgesagt werden. Das gilt erst recht für das jährliche Sommerfest des BAP. Neben dem Verbot für Großveranstaltungen ist auch niemand derzeit so recht zum Feiern zumute. Selbst der Internationale Währungsfond sieht die schwerste Rezession der letzten einhundert Jahre auf die Weltwirtschaft zukommen, da kann auch die Lage der Personaldienstleister nicht gerade berauschend sein.

Dennoch sieht der BAP mit seinem neuen Präsidenten Sebastian Lazay gerade die Personaldienstleister als besonders befähigt an, schnell aus der Krise herauszufinden. Nicht nur, dass sie als Barometer der Arbeitswelt immer schon die Auf- und Abbewegungen des Marktes besonders deutlich gespürt haben, es sind gerade die Personaldienstleister, die als flexibelste Branche in der Wirtschaft gelten. Dazu stellt Lazay jedoch ein paar Forderungen an die Politik, damit die Zeitarbeit ihre Rolle beim Wiederaufbau erfolgreich übernehmen kann. Diese beziehen sich zunächst einmal auf den Abbau einiger Einschränkungen, die seit 2017 gelten. So wirkt sich die derzeitige Begrenzung der Höchstüberlassungsdauer auf 18 Monate sehr hinderlich auf die Stabilität in den Kundenbetrieben aus.

Ähnliches gilt für einige Formalien. So ist es nicht einzusehen, warum in Zeiten der Kontaktlosigkeit zwischen Personen die Verträge der Personaldienstleister mit den Kundenunternehmen immer noch der Schriftform mit persönlicher Unterschrift bedürfen. Es gibt längst digitale Möglichkeiten ebensolche Rechtssicherheit herzustellen. Insgesamt sieht Lazay die Regierung in der Pflicht jetzt so schnell wie möglich deutliche Signale zu setzen, wann und wie es wieder weitergeht. Mit solchen Signalen würde auch die Zeitarbeit “vielleicht etwas gerupft, aber voller Tatendrang” aus der Krise herauskommen. Das hätte man ja schon 2008 und 2009 bewiesen.

iGZ-Umfrage sieht Solidarität für Azubis in der Zeitarbeitsbranche

Wie in jeder anderen Branche auch wird es Zeitarbeitsunternehmen geben, die aufgrund der Folgen der Pandemie Insolvenz anmelden müssen. Das soll sich jedoch nicht so drastisch für ihre Auszubildenden auswirken. Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen hat unter den 3.700 Unternehmen des Verbandes eine Umfrage gestartet. Aus dieser ergibt sich, dass zwei Drittel der Personaldienstleister bereit sind, betroffene Azubis aufzunehmen und weiter auszubilden, wenn es dafür eine Prämie gibt. So eine Prämie steht jetzt auch in Aussicht. Von der Krise betroffen sind hauptsächlich die kleinen und mittelständischen Betriebe.

Für diese ist jetzt ein Bundesprogramm aufgesetzt worden, das die Aufrechterhaltung der Ausbildung zum Ziel hat. Ausbildungsbetriebe sollen für jeden neuen Ausbildungsvertrag eine Prämie von einmalig 2.000 Euro erhalten, wenn sie damit das Ausbildungsplatzangebot der letzten drei Jahre aufrechterhalten. Wenn sie diesen Durchschnitt übersteigen und ihr Angebot erweitern, soll es sogar 3.000 Euro geben. Das geplante Bundesprogramm mit dem Namen “Ausbildungsplätze sichern” sieht auch Prämien dafür vor, dass Ausbilder und Auszubildende nicht in Kurzarbeit geschickt werden. Das ist für manche Unternehmen allerdings eine derzeit kaum zu überwindende Hürde.

Zeitarbeit und Verkehrsüberwachung

Neue Wege beschreiten sowohl viele Gemeinden wie auch auf die Verkehrsüberwachung spezialisierte private Unternehmen. Speziell für wirtschaftlich und strukturell eher schwache Gemeinden ist die dauerhafte Anstellung von Mitarbeitern für die Verkehrsüberwachung häufig nicht möglich. So nutzen einige Gemeinden die inzwischen erteilte Erlaubnis die Verkehrsüberwachung dennoch selbst in die Hand zu nehmen. Sie beauftragen die Unternehmen, die sich nicht nur technisch nach allen Regeln ausgestattet haben, sondern auch eigene Mitarbeiter dafür beschäftigen.

Damit diese Mitarbeiter das Recht bekommen, Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen, werden sie über die Arbeitnehmerüberlassung zeitweilige Mitarbeiter der Gemeinden. Sie sind den übrigen Angestellten vom Lohn und den Arbeitsbedingungen her gleichgestellt, verrichten ihren Dienst aber nur zu den Zeiten, die mit der Gemeinde vereinbart wurden. Die dazu nötige Technik mietet die Gemeinde vom Unternehmen an. In einer Erweiterung des Angebots können die Mitarbeiter die ermittelten Geschwindigkeitsübertretungen sogar selbst in Verwarnungen umwandeln. Dazu muss ihnen ein Arbeitsplatz mit Rechner zur Verfügung gestellt werden, der an die Messgeräte angeschlossen wird.

Solange die Gemeinde rechtlich Herr des Verfahrens bleibt, ist sogar die Bearbeitung von Einsprüchen durch die Mitarbeiter des Personaldienstleisters möglich. Natürlich wirft diese Vorgehensweise Kosten auf, die die Gemeinde ja eigentlich vermeiden will. Die Deckelung der Kosten durch die eingenommen Geldbußen scheint für die Gemeinden natürlich verlockend, dennoch wollen die Bürgermeister dieses Thema verständlicherweise nicht an die große Glocke hängen. Nur zu gern würden sich Kritiker des Verfahrens auf das altbekannte Vorurteil stürzen, dass die Verkehrsüberwachung weniger zur Sicherheit der Bürger als zur Finanzierung der Gemeinden herangezogen würde.

Wieder nicht repräsentative Zahlen veröffentlicht

Wie schon in den vergangenen Jahren stellt die Techniker Krankenkasse (TK) in einer Schlagzeile fest, dass die Zeitarbeit die Menschen mehr belaste als die Beschäftigten in den klassischen Arbeitsverhältnissen. So zumindest steht es im Gesundheitsreport 2020 der TK. Erst im Artikel stellt man dann fest, dass die Messungen über mehr Krankheitstage nur unter den Mitgliedern der TK durchgeführt werden. Die TK sieht zwar unter ihren Mitgliedern in der Zeitarbeit eine deutliche Verbesserung zu den Zahlen vergangener Jahre, dennoch aber wären sie häufiger krank.

Die TK gibt aber auch zu, dass diese Zahlen nicht auf alle Arbeitnehmer in der Zeitarbeit hochgerechnet werden können. Dass die Wirklichkeit anders aussieht, hatte sich 2016 herausgestellt. Im umfassenden Bericht der Bundesregierung zum gleichen Thema zeigte sich, dass die Beschäftigten in der Zeitarbeit tatsächlich im Durchschnitt weniger Krankheitstage in Anspruch genommen hatten. Wenn der nächste Bericht der Bundesregierung herauskommt, wird man feststellen, ob die TK mit ihren Mitgliedern auch diesmal wieder zu den Ausreißern gehört.

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